Kennen Sie das auch, man hat ein Problem und es setzt sich der fixe Gedanke fest, da müsste es doch ein Patentrezept geben, z.B. wie wir Kinder am besten erziehen, den Chef aussteuern oder endlich mit dem Sport anfangen. Oft erlebe ich das auch in meinen Seminaren, da möchte jeder am liebsten ein Rezept im Sinne von „Tue A+B, dann entsteht das Ergebnis C“ nach Hause nehmen und dann ist alles gut.

Ein Teilnehmer eines Zeitmanagementsseminars äußerte das mal so: „Ich bin hier, damit ich die Methode lerne, wie ich mich selbst organisieren kann.“ Wohl gemerkt, er hatte bis dahin schon einige Zeitmanagementseminare besucht , die irgendwie nicht gefruchtet haben. Also war er weiter auf der Suche nach der Methode.

 

Was ist eigentlich
ein „Patentrezept“?

 

Der Duden definiert das so: Das Patentrezept ist eine Anleitung zur idealen Lösung eines schwierigen Problems.

Aha, es geht also um eine Anleitung für eine ideale Lösung und wenn sie ideal ist, dann funktioniert sie offensichtlich auch in den unterschiedlichsten Situationen. Und genau diese Anleitungen gibt es! Da draußen können Sie genügend Ratgeber kaufen, die versprechen, die ideale Lösung zu haben. Alles ist vermeintlich garantiert zu lernen, zähmen, managen … doch warum funktioniert dann so vieles bei so vielen nicht? Weil es eben nicht so einfach ist, 1-2-3 schablonenartig vorzugehen.

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mir mal bewusst die Frage gestellt: Warum lieben wir Patentrezepte? Mir sind drei Aspekte eingefallen:

  • Patentrezepte wecken ins uns die Hoffnung, dass es eine ideale Lösung geben kann.
  • Patentrezepte suggerieren, dass sie bereits erprobt sind.
  • Patentrezepte muss man „nur mal eben anwenden“, dann klappen sie sicher und einfach.

 

Es gibt keine One-fits-all-Methoden!

Interessanterweise habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen, die nach Patentrezepten suchen, gleichzeitig in einem inneren Zwiespalt stecken:

  • Auf der eigenen Seite hätten Sie gerne ein Patentrezept.
  • Auf der anderen Seite lehnen sie sich dagegen auf und erklären wortreich, warum genau dieses Patentrezept nichts bringt.

 

Mit dieser Auflehnung treffen Sie des Pudels Kern! Es gibt nämlich nicht die ideale Anleitung für eine Lösung und es kann sie nicht geben, weil wir alle unterschiedlich sind. Was beim einen funktioniert, muss beim nächsten nicht automatisch funktionieren. Beim einen hilft es, die Aufgabenliste morgens zu schreiben, für andere ist es besser, das als Tagesabschluss zu machen. Und das ist nur ein simples Beispiel! In den meisten Fällen spielt nämlich noch viel mehr eine Rolle: Wie wir ticken, in welcher Situation wir gerade sind, wer noch beteiligt ist, unsere Persönlichkeit und oft auch das Selbstbewusstsein und und und.

Was Sie also aus einem Ratgeber oder Seminar mitnehmen können, ist niemals ein Patentrezept, sondern nützliche Methoden und Anregungen, die Ihr eigenes Handlungsspektrum erweitern. Oft heißt das auch, dass man sie sich zu eigen macht, indem man Methoden anpasst oder kombiniert.

 

Das Schielen nach Patentrezepten begrenzt!

Es gibt also keine allgemein gültige Lösung. Das ist gut! Denn es gibt immer einen Strauß von Ideen, wie wir eine Situation lösen können.

Viel besser fahren Sie mit einer individuellen Strategie:

Machen Sie sich die Haltung zu eigen: Es nützt nichts, nach einem Patentrezept zu suchen. Es gibt nicht die ideale Lösung, es gibt nur individuelle und für mich passende Lösungen.

Vertrauen Sie mehr auf sich selbst! Input von außen ist super, und ich freue mich, wenn Sie mein Buch Umsetzungspower lesen oder wir uns in einem Training begegnen. Gleichzeitig ermuntere ich Sie, in Ihren vorhandenen Lösungsansätzen zu forschen.

Sie haben schon viel in Ihrem Leben gemeistert und können auf einen eigenen Erfahrungsschatz zugreifen: Denken Sie an kleine und große Fragestellungen, Probleme und Krisen.

  • Wo hat was wie – wenigstens ein bisschen – geklappt.
  • Was ist grundsätzlich eine für Sie richtige Vorgehensweise?

Vielen wird oft empfohlen, bei Sorgen mit anderen zu sprechen, doch für Sie ist es einfach besser, sich erstmal zurückzuziehen und sich selbst zu sortieren. DAS ist das, was für Sie besser funktioniert.

 

Patentrezepte gibt es nicht - experimentieren ist wichtig!

 

Erlauben Sie sich zu experimentieren,
statt nach der idealen Lösung zu suchen!

Ob es um Zeitmanagement, Kindererziehung, Nein sagen können oder oder oder geht. Es gibt buchstäblich endlose Vorgehensweisen, Methoden und Tipps. Probieren Sie sich durch! Wenden Sie an, was Sie in Büchern und Trainings lernen, machen Sie eine konkrete Manöverkritik, wie das für Sie war und erweitern Sie dadurch konsequent Ihren Erfahrungsschatz.

Die Suche nach Lösungen ist nicht immer einfach, aber auf jeden Fall spannend. Wenn wir wie oben beschrieben vorgehen, dann sammeln wir nebenbei viele Erfahrungen, die uns ganz sicher weiterbringen – anstatt unsere Zeit mit der Suche nach der idealen Lösung zu verbringen. Wir sind selbstverantwortlich für unsere Lösungen. Manchmal ist sogar die Lösung, zu akzeptieren, dass es keine Lösung gibt.

Zeitmanagement ist Unsinn!

Zeitmanagement ist Unsinn!

In meinen Seminaren stelle ich den Teilnehmern gerne die Frage, was sie unter dem Begriff „Zeitmanagement" verstehen. In der Regel kommen dann Aussagen wie: mehr in derselben Zeit erledigen können, Prioritäten setzen oder Aufgaben nicht mehr aufschieben, sondern...

Weiterlesen