Wir leben heute in einer Zeit, in der Informationen in kürzester Zeit um die Welt rasen und wir immer und überall erreichbar sind – es sei denn wir entscheiden uns ganz bewusst dagegen. Ich möchte diese Entwicklung keineswegs verteufeln, aber bei allen Vorteilen gibt es eben auch Nachteile.

Eine der zentralen Auswirkungen ist, dass sich viele nicht mehr auf eine Aufgabe fokussieren können. Sie hüpfen von einer Aufgabe zur nächsten, checken unablässig Mails, WhatApp oder sonstige Social Media-Kanäle, sie sind eben ständig online.

Welche Nachteile hat diese Arbeitsweise?

Aus meiner Sicht hat diese Arbeitsweise gravierende Nachteile, und das hat zunächst nichts mit den Tools zu tun, sondern es liegt an uns selbst.

  • Wir brauchen zu viel Zeit: Jede Störung ob durch Mail & Co. oder durch Kunden, Kollegen und Chefs bedeutet, dass wir aus unserer Konzentrationsphase herausgerissen werden und uns in einen neuen Sachverhalt reindenken. Dabei ist nicht die Störung das Problem, sondern wir selbst und unser Gehirn: Wir brauchen jedes Mal Zeit, um wieder in die unterbrochene Thematik reinzukommen. Einige Studien gehen davon aus, dass jede Störung 15 Minuten Mehraufwand produziert, um sich wieder reinzudenken.
  • Wir können uns immer schlechter konzentrieren: Jetzt könnten Sie natürlich sagen, das nehmen Sie in Kauf. Leider löst diese Arbeitsweise eine Kettenreaktion aus. Werden wir im Verlauf des Tages immer wieder gestört, dann sinkt mit jeder Störung die Konzentrationsfähigkeit. Man nennt das auch den Sägezahneffekt: Jede Störung sägt an unserer Konzentration, sie lässt immer mehr nach, die Leistungsfähigkeit schwindet.
  • Wir werden fehleranfälliger: Leider führt die nachlassende Konzentrationsfähigkeit zu einem noch größeren Problem: Die Fehler häufen sich. Am Anfang sind es in der Regel nur kleine Fehler, die aber Schritt für Schritt immer größer werden können. Die Folge ist: Fehler kosten Zeit und Geld! Jetzt gerät man immer weiter in einen Strudel, denn nun braucht es noch mehr Anstrengung (und Aufwand), um die Fehler wieder auszumerzen, was uns Zeit und Kraft für andere Dinge nimmt.

 

Der Sägezahneffekt - Auswirkung von Störungen

Wir müssen wieder lernen,
fokussierter zu arbeiten!

Mehr Fokus bedeutet, dass wir darauf achten müssen, die hausgemachten Störungen zu vermeiden und die externen Störungen zu reduzieren.

Was heißt das ganz konkret?

Aus meiner Erfahrung helfen folgende drei Punkte, um den Sägezahneffekt zu mindern.

  • Selbstbestimmtheit zurückholen: Der erste Schritt für ein fokussiertes Arbeiten ist, dass wir uns wieder unsere Selbstbestimmtheit zurückholen, gegenüber der Technik und gegenüber anderen Menschen. Die meisten Störungen kommen nämlich im Kleid des ganz Dringlichen daher und vermitteln den Eindruck, immer sofort erledigt werden zu müssen. Sind wir ehrlich, dann wissen wir, dass die wenigsten Aufgaben so dringlich, dass wir sofort starten müssten.
  • Grenzen setzen: Wenn wir wieder konzentrierter Arbeiten wollen, dann müssen wir lernen uns selbst und anderen Menschen gegenüber Grenzen zu setzen. Viele setzen „Grenzen setzen“ mit einem ultimativen Nein. Dabei geht es oft nur darum, den Zeitpunkt der Bearbeitung festzulegen, anstatt sich jetzt aus der Konzentration rausreißen zu lassen.
  • Fokussierungszeiten einplanen: Planen Sie sich ganz bewusst Zeiten im Alltag ein, in denen Sie nicht gestört werden. Das heißt, Sie schalten Ihr Mailsystem ganz ab, gegebenenfalls den Anrufbeantworter ein und informieren ihr Umfeld, dass jetzt Ihre Fokussierungszeit ist. Entscheiden Sie selbst, wie viel Zeit Sie sich vornehmen.
  • Eine Aufgabe abschließen: Wir haben schon gesehen, dass diese erlernte Springerei von einer Aufgabe zur nächsten nichts bringt. Noch schlimmer: Dass Sie sich durch das früher populäre Multitasken, das endlich als unproduktiv erkannt wurde, zum Opfer des Säbelzahneffekts machen. Darum ist es wichtig, sich wieder Ausdauer anzutrainieren: Bleiben Sie bei einer Aufgabe. Schließen Sie sie komplett ab. Sollten Sie gestört werden, lassen Sie den Anrufbeantworter rangehen oder schicken Sie den Kollegen weg. So bestimmen Sie selbst, zu welchem Zeitpunkt Sie der Störung Aufmerksamkeit schenken.

 

Wie Sie sehen, ist der Mangel an Konzentration hausgemacht. Wir haben die Möglichkeit dagegenzusteuern. Denn wer konzentriert arbeitet gewinnt Zeit und Energie.

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