Studien zeigen, dass fast jeder Vierte unter wiederkehrender Aufschieberitis leidet. Von Aufschieben spricht man, wenn jemand wichtige Aufgaben oder Entscheidungen lange Zeit vor sich herschiebt und stattdessen eher unwichtige, dafür aber angenehmere Aufgaben erledigt.

Das Fachwort dafür heißt „Prokrastination“. Es hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „crastinus“ und heißt: dem morgigen Tag zugehörig. Darum fangen wir nur zu gerne morgen damit an, die Präsentation zu erstellen, das nächste Meeting zu planen, endlich Sport zu machen oder andere unangenehme Arbeiten zu erledigen oder Entscheidungen zu treffen.

Aufschieberitis hat aber nichts mit Faulsein zu tun! Im Gegenteil, manchmal schafft man gerade in den Zeiten, in denen man Dinge immer wieder aufschiebt, eine ganze Menge anderer Sachen, die auch dringend sind, aber sind sie auch wirklich wichtig?

 

Aufschieberitis hat einen hohen Preis

Konsequenzen der Aufschieberitis sind: Geplatzte Termine, nicht erledigte Aufgaben, Vorwürfe von anderen, bohrende Schuldgefühle, enormer innerer Stress — auch wenn Sie die Aufgabe unter hohem Zeitdruck doch noch schaffen.

Und es gibt noch mehr Nachteile: Aufschieben macht unzufrieden, setzt Sie unter Druck, verhindert, dass Sie Ihre wichtigsten Ziele erreichen, untergräbt das Selbstbewusstsein und Aufschieben verschwendet Ihre kostbare Lebenszeit.

Häufige Aufschieberitis kann im Berufsleben sehr an Ihrem Image kratzen, z.B. „Er ist zwar ein Fachmann, aber nicht zuverlässig. Sie scheint überfordert zu sein, denn sie hält ihre Termine nicht ein. Er hat offenbar seinen Aufgabenbereich nicht im Griff.“

 

Welcher Typ sind Sie?

Die Aufschieberitis-Typen

  1. Aufschieben über die Priorität: Sie vergeben hohe Prioritäten für eilige und angenehmere Aufgaben und gaukeln sich dabei vor, an den wichtigsten Aufgaben zu arbeiten.
  2. Aufschieben, weil ein anderer Zeitpunkt angeblich besser ist: Sie finden, der morgige Tag, die nächste Woche… ist für die Lösung dieses Problems besser geeignet als der heutige. Sie sind besser ausgeruht, besserer Laune, haben ein anderes Problem bereits weggeschafft…
  3. Aufschieben, weil der Überblick fehlt: Sie fangen einfach an zu arbeiten und haben noch keinen klaren Plan oder eine Struktur dafür geschaffen, was Sie überhaupt tun wollen. Was die wichtigsten Aufgaben sind.
  4. Aufschieben, weil der Druck fehlt: Sie haben eigentlich Zeit, gehen die Dinge aber trotzdem nicht an. Unter Druck arbeiten Sie am besten und erzielen gute Ergebnisse.

Zwei gute Nachrichten:

  • Zu Ihrer Beruhigung: Fast jedem von uns geht es so, dass wir Dinge aufschieben. Je nach Situation und Fragestellung betrifft „Aufschieberitis“ 20 – 95 % der Bevölkerung. Bei manchen Tätigkeiten ist das Aufschieben sogar eher der Normalfall als Ausnahmefall, z.B. bei der Fertigstellung der Steuererklärung dürfte die Mehrheit immer wieder aufschieben.
  • Gegen Aufschieberitis lässt sich einiges unternehmen!

 

Tipps & Tricks gegen die Aufschieberitis

Zunächst Kapazitäten freischaufeln

Seien wir realistisch: Ihnen ist an Ihrem Arbeitsplatz nicht langweilig. Der Alltag ist voll, die Aufgaben mitunter sehr komplex, interne und externe Kollegen und Kunden wollen „dauernd“ etwas. Darum erscheint das Aufschieben oft eine Notwendigkeit zu sein. Trotzdem ist es erst einmal sinnvoll zu schauen, wo Sie Zeit- und Energiekapazitäten freilegen können.

  • Wo arbeite ich nicht effektiv?
    Manchmal sind wir bei einer Sache einfach langsam, weil wir zu wenig Routine haben, nicht wissen, wie wir uns strukturieren sollen oder weil uns Fachwissen fehlt. Mitunter ist es eine gute Lösung, rechtzeitig um Hilfe zu bitten und sich immer wieder einen Überblick über die anstehenden Aufgaben zu verschaffen. Was sind die wirklich wichtigen Dinge, die das Unternehmen, den Kunden, mich selbst weiterbringen?
  • Was sind meine Zeitdiebe?
    Zeitdieb Nummer 1 in Unternehmen sind die Unterbrechungen – und zwar nicht nur die von außen, sondern auch eigenes zerfasertes Arbeiten. Statt dessen könnten wir die Dinge konzentriert Schritt für Schritt erledigen.
  • Wo ist es vielleicht notwendig Grenzen zu setzen?
    Leider ist es nicht möglich, selbst bei bester Organisation, alle Dinge „in time“ zu erledigen. Gerade dann, wenn immer neue Projekte dazukommen, ist es wichtig mit der Führungskraft abzuklären, wie Prioritäten evtl. neue gesetzt werden können bzw. wo ihre persönliche Grenze erreicht ist.

So schlagen Sie der Aufschieberitis ein Schnippchen!

Wenn Sie und Ihre Projekte im Fluss sind und Sie nicht dauernd Aufgeschobenes im Genick haben, wird jede Menge Energie freigesetzt!

Zuerst brauchen wir eine konstruktive Grundeinstellung – die könnte zum Beispiel heißen: „Jede Aufgabe beginnt mit dem ersten Schritt“! Das kann sein, sich zuerst die konkreten Schritte für die Erledigung zu überlegen und danach mit dem ersten Schritt anzufangen. Diese Arbeitstechnik, Schritt für Schritt vorzugehen heißt übrigens auch „Salami-Taktik“. Also alles scheibchenweise erledigen.

Verwerfen Sie immer wiederkehrende Gedanken wie: „Ich bin jetzt zu müde“ oder „Ich kann mich gerade auf nichts konzentrieren“ – entwickeln Sie neue Gewohnheiten wie:

  • Konsequent einen kleinen Schritt nach dem anderen erledigen statt viele Dinge parallel!
  • Unangenehme und wichtige Aufgaben gleich morgens als erstes angehen, noch bevor Sie die eMails checken. Denn dort lauern schon wieder weitere Aufgaben.
  • Für eine unangenehme Aufgabe, die erledigt ist, gibt es eine Belohnung! Sie wissen selbst am besten, was das sein könnte.

 

Hier finden Sie noch vier weitere erstaunlich einfache, aber effektive Anti-Aufschiebe-Strategien:

1. Perfektionismus-Anspruch herunterschrauben!
Perfektionisten haben es oft schwer, da sie sehr hohe Ansprüche an das Ergebnis stellen und deshalb oft nicht anfangen. Daher: „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“ oder beherzigen Sie die 80/20-Regel.

2. Die 5-Minuten-Technik!
Stellen Sie einen Wecker auf 5 Minuten. Beginnen Sie dann die Aufgabe und arbeiten Sie konzentriert genau 5 Minuten daran, mit der Option, nach Ablauf dieser 5 Minuten die Aufgabe wieder zu lassen. Der Trick dabei ist, dass in der Regel weitermacht, wenn man einmal dabei ist.

3. Prinzip der Schriftlichkeit!
Schreiben Sie die Aufgaben auf, die unbedingt heute erledigt werden sollten, dann haben sie eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit erledigt zu werden.

4. Setzen Sie sich Vortermine!
Sie können ohne Druck nicht gut arbeiten? Machen Sie es sich zur Gewohnheit, sich eigene Deadlines zu setzen. Nach einigen Wiederholungen kann das Gehirn nicht mehr zwischen echten und künstlichen Zeitlimits unterscheiden.

Beobachten Sie, was bei Ihnen funktioniert, vielleicht sind das ganz andere Strategien. Akzeptieren Sie Ihren inneren Schweinehund. Er ist da – Na und? Das heißt noch lange nicht, dass Sie ihm nachgeben. Sie können darüber entscheiden, ob und wie Sie ihm die Stirn bieten!

von: Marieluise Noack & Stefanie Kirschbaum

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