Ich kann es nicht mehr hören, wenn Teilnehmer meiner Seminare und Workshop am Ende sagen, sie hätten sich mehr Strategien erhofft. Das kommt leider immer wieder vor – und es hat gar nichts mit mir oder dem Thema zu tun. Es sind die Theoriehamster, die immer noch mehr wollen.

Warum es mich nervt?

Weil es über den mitschwingenden Vorwurf hinaus ganz einfach so ist, dass mehr Wissen nicht mehr hilft. Wenn die Teilnehmer das umsetzen würden, was alles zur Sprache kommt, dann hätten sie längst keine Probleme mehr.

Das Bedürfnis nach möglichst viel Wissen kann ich übrigens durchaus verstehen, weil es mir selbst schon so ergangen ist. Heute weiß ich, dass es nicht nur absolut nichts bringt – sondern uns sogar im Weg steht.

 

Drei Gründe warum wir uns mit dem Hamstern von Wissen selbst ausbremsen!

Im letzten Jahr wurde ich dafür engagiert, ein Büro auf Vordermann zu bringen. Was ich dort gesehen haben, war der Inbegriff der Jäger- und Sammlermentalität: Stapel über Stapel von Tippsammlungen aus dem Internet, Unterlagen von Fortbildungen, Artikel aus Zeitschriften. Die Frau hatte unheimlich viel Wissen gesammelt, doch genau dabei blieb es auch! Sie kam überhaupt nicht mehr ans Umsetzen – das Wissen war für Sie erschlagend.

Die Sammlermentalität kostet Zeit und Energie!

Hinter dem Sammelbedürfnis steckt meistens der Glaube, es gäbe für ein Thema die optimale Lösung und die sei in Artikeln, Foren oder Fortbildungen zu bekommen. Das stimmt nicht: Viel Wissen hilft nicht viel! Das Gegenteil ist der Fall – es kostet meistens sehr viel Zeit und Energie, um an das Wissen zu kommen. Und bei den Pappenheimern, die nach Höher-Schneller-Weiter-Bester streben, kommt dazu, dass sie sich systematisch entmutigen, weil die Aufgabe immer größer und aufwändiger erscheint. So war es auch in dem Fall der Frau, die ich begleitet habe. Eigentlich wollte sie sich selbstständig machen, aber trotz des angehäuften Wissens hatte sie diesen Schritt bislang nicht gewagt.

Theorie verhindert den Aufbau von Erfahrungswissen!

Die meisten Menschen sind darauf programmiert, vor allem Know-how zu sammeln. Das ist aber nur die eine Seite des Wissens, die andere Seite ist das Erfahrungswissen. Wer hauptsächlich Know-how sammelt, schneidet sich vom Erfahrungswissen ab. Erfahrungen sind aber der Schlüssel, um aus Fehlern für die Zukunft zu lernen. Und ganz wichtig dabei ist: Wir sind alle Individuen mit eigenen Fähigkeiten, Sichtweisen, Zielen + Background. Wir müssen also die beste Methode oder vielversprechendsten Schritte immer selbst machen, um zu sehen, wie es sich für uns bewährt und vor allem, um es so passend zu machen, dass wir es gerne integrieren und dranbleiben wollen.

Mit der Sammlermentalität verhindert man, wirklich erfolgreich zu sein!

Wenn wir ein Ziel anpacken, gerade wenn es länger dauert oder schwerfällt, weil wir eben noch keine Erfahrung haben, dann sabotieren wir uns selbst, wenn wir nicht ins Tun kommen. Denn zum Durchhalten gehört Motivation: Wir müssen sehen, da geht was voran! Ich kann das – vielleicht noch nicht perfekt, aber ich tue da gerade was für mich und komme weiter, weil ich es selbst angehe. Das ist nämlich ein Hauptgrund, warum viele ihre Vorhaben ewig vor sich herschieben oder wieder abbrechen: Es passiert nichts und damit gibt es auch keine Erfolgserlebnisse, kein Über-sich-lernen und Über-sich-hinauswachsen.

Nur wer etwas tut, bekommt einen Motivationsschub, auch die nächsten Dinge anzugehen.

Tun ist die Voraussetzung für Erfolg und Zufriedenheit.

 

Wissen hamstern

111 Strategien oder Tipps – was soll das bringen?

Vor kurzem habe ich in Facebook eine Tippsammlung mit 111 Strategien zur Verbesserung des Zeitmanagements entdeckt. Tippsammlungen sind irre populär im Netz und gehören zu den Posts, die am meisten gelikt und verlinkt werden. Sie geben einem das Gefühl, einen richtigen Schatz zu bekommen. Wenn ich solche Tippsammlungen sehe, könnte ich mir die Haare raufen, denn die sind beliebt, aber totale Blockierer, …

  • weil man Schwarz auf Weiß sieht, was man bisher alles nicht gemacht hat, und das schafft Frust und raubt Energie.
  • weil man Zeit braucht, diese wirklich durchzulesen und wenn wir ehrlich sind, werden sie oft eh nur abgespeichert und verrotten auf der Festplatte.
  • weil man erst auswählen muss, was für einen passt – und soweit kommt es meistens nicht.

 

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass Tippsammlung grundsätzlich doof sind. Artikel mit einigen wenigen Tipps lese ich gerne, die kann ich schnell überfliegen und schauen, ob etwas Passendes dabei ist.

 

Höchste Zeit, aus der Jäger- und Sammlermentalität auszusteigen!

So verlockend es ist: Hören Sie auf, auf die perfekten Tipp von anderen zu warten! Fangen Sie endlich an, Ideen umzusetzen und Erfahrungen zu sammeln! Nur so kommen Sie voran.

Hier zwei Fragen, was Sie für sich umsetzen werden:

  1. Wo werden Sie anfangen?
  2. Was ist Ihr nächster Schritt?
Zwei mangelhafte Bausteine

Zwei mangelhafte Bausteine

Auszug aus dem Buch „Die Kuh, die weinte" von Ajahn Brahn Zwei Steine hatten mir die ganze Mauer versaut. Der Zementmörtel war inzwischen fest geworden. Also konnte ich diese Steine nicht einfach herausziehen und ersetzen. Ich ging zu meinem Abt und fragte, ob ich die...

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